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Das Siberia 110 - ein bemerkenswertes
Spiegelteleskop für den Anfänger |
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Die
technischen Merkmale des Siberia 110 |
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Der Fernrohrkörper besteht, wie bei Siberia-Modellen
üblich, aus einem stabilen, 3 mm starkwandigen Metalltubus. Auf der
unteren Seite ist die Fassung für den parabolischen Hauptspiegel, auf der
oberen die vierarmige Fangspiegelspinne eingebaut. Beide Halterungen sind
mechanisch sauber verarbeitet (Abbildung links) und so ausgeführt,
daß das Spiegelsystem erforderlichenfalls präzise nachjustiert
werden kann. Der Okularauszug besitzt eine Steckhülse für
1¼"-Okulare und wird zur Fokussierung über einen Zahntrieb
verstellt (Abbildung unten). Das sehr kurze Auszugsrohr besitzt einen
Fokussierweg von etwa 25 mm und ragt in keiner Stellung in den Strahlengang des
Newton-Systems hinein, so dass keine weitere Silhouettierung auftritt. Dies ist
keinesfalls selbstverständlich und viele einfache japanische Instrumente
oder Kaufhaus-Fernrohre fallen hier sehr negativ auf, indem ihre Auszugsrohre
wie Hauklötze. in den Strahlengang hineinragen. |
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Abbildung oben: Präzise,
justierbare Halterungen für Haupt- und Fangspiegel kennzeichnen die
aufwendige, mechanische Verarbeitung dieses
Newton-Teleskops
Abbildung
(unten): Der über einen Zahntrieb verstellbare Okularauszug besitzt
einen Steckhülsendurchmesser für 1¼"-Okulare. Fremdokulare
können jedoch nur über die Dreifach-Barlowlinse verwendet werden,
ansonsten gibt es Probleme mit dem fangspiegelnahen Brennpunkt. Links im Bild
das 6 x 30-mm-Suchfernrohr mit Dioptrieneinstellung. |
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Die im Lieferumfang beigefügten Okulare ergeben
eine 32fache (f = 25 mm) und 54fache (f = 15 mm) Vergrößerung. Mit
Hilfe einer Dreifach-Barlowlinse ergeben sich weitere Vergrößerungen
und zwar 96fach beim 25 mm-Okular und 162fach beim 15
rnm-Okular.
Fremdokulare können leider nur in Verbindung mit
der Dreifach-Barlowlinse verwendet werden, ansonsten gibt es Schwierigkeiten
mit dem fangspiegelnahen Brennpunkt. Bei meinen eudiaskopischen Okularen wird
die Scharfeinstellung jedenfalls nicht ganz erreicht, auch die Zeiss'schen
Abbe-Okulare liegen hier außerhalb aller Einstellmöglichkeiten.
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Um diesen
konstruktionsbedingten Missstand zu beheben, rnüßte der Tubus des
Hauptrohres um etwa 15 rnm gekürzt werden, so daß der Brennpunkt
etwas nach außen hin verlagert wird. Dann wird man mit Fremdokularen
keine Schwierigkeiten haben. Vielleicht wäre für die Serienproduktion
generell einmal zu überlegen, ob man aus Kompatibilitätsgründen
diese bauliche Veränderung vornimmt, um die optischen Qualitäten des
Hauptspiegels voll nutzen zu können.
Aber man soll nicht unzufrieden sein. Schon die russischen
Standardokulare sind von sehr ordentlicher Qualität. Ihre scheinbaren
Gesichtsfelder betragen etwa 45' und sie liefern eine kontrastreiche und fast
randscharfe (!) Abbildung bei einem sehr angenehmen Einblickverhalten. Leider
sind die Okulare nicht vergütet, und so fehlt es den Bildern etwas an
Transparenz. In der Praxis äußert sich dies in einem leicht
getönten Bild, so daß z. B. der Mond leicht ockerfarben erscheint.
Der Abbildungsqualität tut dies aber keinen Abbruch (siehe Abschnitt
Praktische Beobachtungen).
Wie schon beim Test des 80 mm-Siberia-Newton
deutlich wurde, neigen die mitgelieferten Okulare bei sehr hellen Objekten (z.
B. Mond, Venus) zu Reflexen, wenn das Objekt außerhalb der optischen
Achse eingestellt wird. Dieser Effekt verringert sich deutlich, wenn ich z. B.
meine eudiaskopischen Okulare einsetze, die über eine hochwertige
Mehrschichtvergütung verfügen. Es lohnt also allemal, sich über
die Tubusverkürzung (siehe oben) Gedanken zu machen. Dann wird man an
diesem Instrument noch mehr Freude haben. |
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Die parallaktische Montierung (links) wirkt sehr massiv und
gehört mit etwa 10 kg Gewicht schon zu den schweren Vertretern ihrer Art.
Es ist alles vorhanden, was für die Beobachtungspraxis wichtig ist und
somit den Bedienungskomfort erhöht: Feinverstellung und Klemmung in
Deklination, sauber gravierte Teilkreise und eine Skala zur Einstellung der
Polhöhe sind nur einige Dinge, die den praktischen Nutzen der Montierung
unterstreichen. Die Stundenachse wird durch ein gekapseltes
Schneckengetriebe bewegt. Das Schneckenrad ist über eine einstellbare (!)
Rutschkupplung an der Stundenachse befestigt. Diese Konstruktion macht eine
Klemmung der Stundenachse entbehrlich, was aber den Verzicht auf ihre
völlig feste Verbindung mit dem Schneckenrad zur Folge hat. Ich gebe zu,
daß man sich in der Praxis erst einmal daran gewöhnen muß,
aber mit der Zeit geht einem die Handhabung in Fleisch und Blut über.
Die stabile Montierung bietet
zahlreiche Verstellmöglichkeiten für den praktischen Einsatz. Der
ordnungsgemäße Betrieb des Synchronmators wird über eine rot
leuchtende LED angezeigt. |
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Ein Blick in das offene Montierungsgehäuse (Abbildung rechts)
zeigt, daß sich die Konstrukteure bei der Gestaltung der Antriebseinheit
viel Mühe gegeben haben. Alle Rutschkupplungen können
nachträglich über Einstellschrauben präzise justiert werden.
Die Schneckenwelle trägt
beidseitig Handräder, mit denen die Stundenachse direkt bewegt werden
kann. Dies hat den Vorteil, daß sich das Teleskop in Rektaszension fein
verstellen lässt , so daß man Abweichungen manuell korrigieren kann,
wenn sich bei der motorischen Nachführung Differenzen ergeben. Auf der
Schneckenwelle sitzt auch das Zahnrad, in das der motorische Antrieb zur
automatischen Nachführung eingreift. |
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| Dieser Zahntrieb ist
ebenfalls mit einer Rutschkupplung versehen, denn eine starre Verbindung des
Motors mit der Schneckenwelle würde eine Feinverstellung per Hand bei
laufendem Motor verhindern. Ich empfehle jedem interessierten Sternfreund, den
mit fünf Schrauben befestigten Deckel an der Unterseite des
Motorgehäuses einmal abzunehmen (Abb. oben), um sich über den Aufbau
des Antriebes näher zu informieren. Erst dann wird einem klar, welcher
Aufwand hier betrieben wurde. |
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Man findet keine
Verklebungen, alles ist verschraubt und kann jederzeit durch
nachträgliches Einstellen neu justiert werden. Die Rutschkupplungen der
Stundenachse und des Motorantriebes können sogar von außen durch
verschließbare Rundlöcher reguliert werden. Es wird also alles
geboten, was den Gebrauchswert der Montierung erhöht, und ich
wünschte mir diese Praxistauglichkeit auch von anderen Herstellern.
Endlich einmal ein Gerät, an
dem man selbst Eingriffe vornehmen kann, ohne gleich den Service-Händler
zu Rate ziehen zu müssen. An dieser Stelle möchte ich auch auf die
vorbildliche deutsche Bedienungsanleitung der Firma Baader hinweisen, die diese
Details auch den weniger technisch orientierten Sternfreunden in leicht
verständlicher Weise erklärt, so daß jeder Anfänger
weiß, um was es geht.
Zum
Betrieb der motorischen Nachführung (12 V) wurde ursprünglich ein
russischer Transformator aus Gußeisen beigegeben, der die Verbindung zum
Haushaltsstromnetz von 220 Volt herstellt. Dieser Trafo erfüllt aber nicht
im geringsten die deutschen Sicherheitsstandards, so daß vor dein Betrieb
in feuchten Nächten eindringlich gewarnt werden muß.
Mittlerweile hat aber die Firma
Baader-Planetarium auf diesen Missstand reagiert und bietet seit neuester Zeit
einen CE-konformen Europa-Trafo- mit Schukostecker an, der in einem eleganten
Kunststoffgehäuse untergebracht ist. Mit diesem Gerät kann die
Montierung bedenkenlos auch bei feuchter Witterung (Tau) betrieben werden.
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